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Mittwoch, 14 Oktober 2015 10:44

Mittelklasse Djs, zwischen Star und Newcomer...

geschrieben von Zak McCoy

Selbstreflektierend fragte ich mich, wo ich mich als Künstler in der Künstlernahrungskette eigentlich sehe? Ich bin ja weder Newcomer, noch gefragter als eine englische Hafennutte nachdem gerade ein Armeeschiff von seinem 1-jährigen Manöver anlegte.

Als Erstes fiel mir da spontan der Begriff, Mittelklasse DJ, ein. Das mag etwas abwertend klingen, ist es aber eigentlich gar nicht, wenn man bedenkt was die Mittelklasse eigentlich bedeutet und vor allem was Sie alles leistet. Nun, ich bin mir ziemlich sicher, dass es neben mir auch vielen anderen Künstlern so geht, zwischen Baum und Borke stehen, nicht genau wissend wohin die Reise eigentlich geht.

Man geht einen Job nach, schließlich müssen die Brötchen noch Abseits vom Wochenende verdient werden. 1-2x im Monat 100–300 Euro für einen Gig verdienen reicht eben nicht dafür aus, sich sein privates Sammelsurium an Musikwerken zu bezahlen, geschweige denn mal den 14 Jahre alten Technics Plattenspieler zu ersetzen. Nein nicht ersetzen, sondern mit der Zeit gehen, Plattenspieler findet man heute zwar noch im Club vor, aber die Zustände sind oftmals katastrophal und abgesehen davon werden die aktuellen Musikwerke ja eh nur noch in digitaler Form verbreitet. CDJ Player oder doch Trekker Software und Controller? Egal für welche Richtung man sich entscheidet, sie ist kostenintensiv, sofern man sich Qualitativ an dem Maßstab des 14 Jahre alten Technics richtet.

Also, der Mittelklasse DJ geht dann neben seiner musikalischen Laufbahn einer anderen Tätigkeit nach um sein täglich Brot zu verdienen, hat dadurch dann viel weniger Zeit sich mit der musikalischen Laufbahn auseinander zu setzen wie er es eigentlich gern möchte, wird aber dennoch immer wieder gern von eher außenstehenden Personen bewundert, vielleicht Arbeitskollegen welche keinen Bezug zum Clubleben haben. "Wow du bist DJ? Man da verdienst du sicher viel Geld und kommst gut rum oder?" Klischeedenken, DJ ist ja schließlich heutzutage David G*****, ein Jan L*** - Z Promi aus einer der schlechtesten Fernsehsendungen der Menschheitsgeschichte, wichtig ist, dass man Herzformen mit den Händen bilden kann, oder ein 3-jähriger Südafrikaner, der in einer Supertalentshow wahllos wild an den Fadern schiebt und Knöpfen dreht und eigentlich nur Kind ist und nicht wirklich weiß was es da gerade tut, dafür aber massiv bejubelt wird und eine Welle im Internet schlägt. Für mich ist das eher wie ein weiterer Eiertritt mit Stahlkappenschuhwerk.

Jedes Mal muss man auf's Neue erklären, das es gar nicht so cool ist wie sich das manche vorstellen, immer wieder kommen diverse andere Fragen auf wie, wann man denn das nächste mal wo spielt und ob der oder diejenige dann mitkommen darf? Selbstverständlich ist dann Techno geschweige denn Hardtechno aber ganz und gar nicht deren Geschmack. Falls ein Bezug zur elektronischen Musik besteht, bekommt man dann gerne mal den Paul Kalkbrenner oder bei jüngeren den Robin Schulz um die Ohren geschlagen. Bei mir ist das zum Glück eher seltener der Fall, da ich selbstständig bin und kein Angestelltenverhältnis nachgehe, aber solche Fälle erlebe ich dennoch auch bei Kunden oder Kooperationspartnern oder gar eben alte Bekannte die man noch von vor langer Zeit kennt, die noch nicht wussten, was man eigentlich alles treibt.
Wenn man dann mal in der glücklichen Lage ist, das man irgendwo spielen darf, kommt die Frage nach der Gästeliste, die kennen sie komischerweise alle irgendwie? Da man als Mittelklasse DJ keine 10 Leute mitbringen darf, sondern eher so 2–3 und diese an Frau und Anhang oder Kumpel und Fahrer vergeben sind, kommt dann also die nächste unangenehme Situation. Denn bezahlen wollen Sie ja dann nicht, "...nur mal kurz rein schauen was du so machst". Mhmm, ja genau und dafür opfere ich den wertvollen Gästelistenplatz?

Zur Mittelklasse gehören ist wahrlich nicht einfach, denn wie in anderen Bereichen ist die Mittelklasse, jene die den größten Teil der Gesellschaft ausmacht, so ist das auch in der DJ Gesellschaft, gefühlt haben wir 3-5 Millionen Djs da draußen welche nur darauf warten einen Gig zu bekommen oder gar berühmt zu werden. So bleibt es dabei, dass man sich nur regional profilieren kann, in einem bestimmten Kreis, welcher dann einem Haifischbecken gleicht, da selbst der Nachbar gerade DJ geworden ist und das obwohl er noch nicht einmal einen Plattenspieler gesehen hat oder weiß wozu dieser eigentlich da ist. Die Ellenbogen werden ausgefahren, sobald die Möglichkeit besteht irgendwo auflegen zu können. Neben der Mittelklassen DJ Konkurrenz befindet sich noch die durchaus beliebte Newcomer DJ Konkurrenz, denn die bringen ja noch alle ihre Kumpels mit und spielen für lau, während der Mittelklasse DJ diese Phase schon übersprungen hat. Da sind die Kumpels meistens nicht mehr so enthusiastisch, ist ja nichts Neues mehr und gar nicht mehr so etwas besonderes und viele sind schon eben alle etwas älter geworden und damit nicht mehr so auf feiern aus. Da dann neben Mittelklasse und Newcomer auch noch die übergeordnete Oberschichtklasse und Starklasse eine Rolle spielt, kann es dann schon schnell Mal vorkommen, das die 100 Euro Gage für die Mittelklasse nicht mehr im Budget drin sind, da die Oberschicht oder Starschicht wieder ein mal 200–500 Euro mehr verlangt als wie vor 2 Monaten noch und so kommt es dann wie es kommen muss, der Mittelklasse DJ bleibt zu Hause, es sei denn er verkauft sich noch weiter unter Wert,, was er ja eh schon macht, "aus Liebe zur Musik" quasi.

Was bleibt, ist das sprichwörtliche Türklinkenputzen, jedoch sieht sich der typische Mittelklasse Künstler über diese Zeit hinaus, Türklinkenputzen mindert auch den Wert und man hat eh kaum Zeit dafür, wenn man dann aber mal die Zeit gefunden hat sich mit der Thematik auseinander zu setzen und der Unzufriedenheit in dem Bereich entgegenzuwirken, wird man feststellen, dass die Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Von eigenen Projekten, wie Label oder Ganggründung, Labels hat ja heute schon jeder mindestens 2, bleiben da nur selbst Partys zu veranstalten. Das endet dann aber schnell wieder, da es überwiegend an Erfahrung und vor allem aber wieder die Zeit oder finanziellen Mittel fehlt. Bei den Interessengangs klappt das mit den Partys über einen längeren Zeitraum, bringt es aber oftmals nicht, da sich die Interessen mit der Zeit innerhalb der Gang verschieben oder man sich einfach nur gegenseitig die Eier krault und sich versucht alles schön zu reden, bzw. vermeidet den Tatsachen ins Auge zu sehen und damit den Anschluss noch weiter verpasst.
Wenn man also nicht gerade der Typ ist, sich permanent zur Schau zu stellen und das musikalische in den Hintergrund zu befördern, kann man nur noch durch Vitamin B und durch bedingungsloser Qualität und Durchhaltevermögen eines Marathonsprinters überzeugen, was sehr selten geworden ist.

Ebenfalls gehört der Mittelklasse DJ zum ehrenwerten Künstler, der sich dagegen entscheidet im Social Media sein Image und seine Beliebtheit künstlich aufzublähen, was es nicht nur in der House und Electro Szene gibt. Das Veranstalter da immer noch drauf reinfallen ist mir ein Rätsel aber ebenso die Konsumenten die teilweise mittlerweile so abgestumpft sind, das es ihnen egal ist, gewöhnt man sich ja schließlich dran, "machen ja eh alle".

Beispiel-Bild was die digitale Schwanzvergrößerung so kosten könnte

In der jetzigen Zeit habe ich sowieso das Gefühl, das es in jener Richtung sogar noch weitaus schlimmer wird, vielleicht habe ich das damals einfach nur weniger beachtet als heute. Dennoch gerade durch die Eventgeilheit des Konsumenten, dessen Fokus primär nicht mehr die Musik, sondern das Momentum ist, dabei zu sein, wenn sich gerade der nächste Act von der DJ Kanzel wirft oder sich mit grünen Schleim übergießt oder vielleicht sogar eine Rakete am Arsch anzündet, what ever! Werden doch die Veranstalter in diese Richtung gedrängt da mitzugehen, Geld spielt halt immer eine Rolle, fährt man permanent gegen den Strom ohne zu wissen ob man letztlich ankommt, wird am Ende kaum jemand am Ziel ankommen.

Hier kommt dann schon wieder die Mittelklasse zum Einsatz, denn ich bin mir sicher das die Verbindung zwischen Veranstaltern und Mittelklasse Djs die wichtigste ist um diesen Trends entgegenzuwirken. Arbeiten beide Parteien wieder enger miteinander und stehen die dunkle Zeit der Eventgeilheit gemeinsam durch, kann es auch mal gegen den Strom gehen ohne das man dabei ersäuft. Ob nun in Selbstmitleid, finanziell oder erfolgstechnisch. Ein bisschen wie früher eben, was nicht heißen soll, dass früher alles besser war, sondern anders!

Nun habt ihr sie wieder, meine Gedanken. Freue mich auf eure Kommentare!
Zak

 

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